
Im Vergleich mit den anderen Ländern der EU schneidet Luxemburg bei der Einkommensverteilung schlecht ab, vor allem, was die arme Bevölkerung angeht, wie dies aus folgender Tabelle hervorgeht :

Dafür gibt es vier Hauptursachen :
- die hohe Zahl der Personen mit Sozialem Mindestlohn: „Bei der Analyse des Anteils der Arbeitnehmer, die im Bereich des Sozialen Minestlohns liegen, stellt man fest, dass dieser bei Männern 13,5 % beträgt, während er bei Frauen über 17,2 % liegt. (…) und mehr als 10,5 % der Frauen im unqualifizierten Mindestlohn beschäftigt sind, gegenüber 7,4 % der Männer (CSL, ECONEWS – Nr. 2 MÄRZ 2024) .
- das unzureichende Niveau des Unqualifizierten Mindestlohns im Vergleich zum Referenzbudget
(= Gesamtwert eines Warenkorbs von Gütern und Dienstleistungen, der einen bestimmten Lebensstandard in einer bestimmten Gesellschaft repräsentiert). Das vom STATEC berechnete Budget zielt auf einen „bescheidenen, aber angemessenen” Lebensstandard ab. Die derzeitige Regierung weigert sich hartnäckig, den gesetzlichen Sozialen Mindestlohn zu erhöhen. - ein für arme Menschen wenig wirksames Sozialtransfersystem, da viele Menschen, die dringend Sozialhilfe benötigen, aus verschiedenen Gründen keinen Zugang dazu haben : komplizierte, ja, erniedrigende bürokratische Verfahren, die je nach Office social uneinheitlich gehandhabt werden und zu langen Wartezeiten führen; Angst, die erhaltene Hilfe zurückzahlen zu müssen oder andere Familienmitglieder zu belasten; Ausschlussbedingungen, wie z. B. die Verpflichtung, über eine offizielle Adresse zu verfügen, um Sozialhilfe zu erhalten.
- die enormen Wohnkosten in Luxemburg, welche die Ungleichheiten massiv verstärken
Diese hohen Kosten – die nicht erst seit gestern bestehen – haben in den letzten Jahren einen Höchststand erreicht und betreffen heute auch die sogenannte Mittelschicht. Immer mehr Haushalte geben 40 % und mehr ihres verfügbaren Einkommens für die Zahlung der Miete oder die Rückzahlung von Hypothekendarlehen aus.

Der Mangel an niederschwelligen Hilfsangeboten und Sozialwohnungen hat zu einem stetigen Anstieg der Obdachlosenzahlen geführt.
Es ist bedauerlich, dass der Fonds du Logement und die Gesellschaft für preisgünstigen Wohnraum (SNHBM) sowie die wenigen Gemeinden, die sich überhaupt in Richtung Sozialwohnungen bewegen, immer noch sogenannte „abordable” Eigentumswohnungen bauen, obwohl die Zielgruppe diese kaum noch finanzieren kann. Statt konsequent auf sozialen Mietwohnungsbau zu setzen.
Der geringe Anteil an Sozialwohnungen (2,5 % auf nationaler Ebene) lässt Menschen mit geringem Einkommen oft keine andere Alternative als ins nahe Ausland umzuziehen. Das bleibt auch dort nicht ohne Konsequenzen. In einer Studie zeigt das LISER (Luxembourg Institute of Socio-Economic Research ), dass der Wohnungsmangel im Großherzogtum sich auch negativ auf den sozialen Zusammenhalt der Grenzregion auswirkt. (Quelle: Le logement, une problématique transfrontalière ; Les cahiers de la Grande Région; 12/2024).
Steuerreformen, die vor allem den Wohlhabenden zugute kamen
So hat z. B. die Steuerreform von 2012 in Luxemburg an der Einkommensverteilung nichts Grundlegendes geändert : „Der relativ höchste Gewinn (4,6 %) ist beim 10. Dezil zu beobachten.“ (Quelle : Länderbericht 2017 der Europäischen Kommission , Seite 15).

Anteile der Haushalte, die von den verschiedenen Maßnahmen profitierten, nach Dezilen https://ces.public.lu/dam-assets/fr/semestre-europeen/semestre-europeen-2017/2017-european-semester-country-report-luxembourg-fr.pdf, Seite 15.

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